Als wir Indiana Jones zuletzt auf der Leinwand gesehen haben, stand und die Welt im Jahr 1938 am Rande des Krieges, während Dr. Jones auf der Suche nach dem heiligen Gral fiese Schurken verfolgte.
Neunzehn Jahre später knallt er wieder mit der Peitsche. Vieles hat sich geändert… manches ist aber auch nicht. Wieder einmal steht die Welt am Abgrund, diesmal aufgrund einer drohenden atomaren Auseinandersetzung. Indy muss sicherstellen, dass ein mysteriöses, unschätzbares Objekt nicht in die Hände derer gerät, die die Menschheit vernichten wollen.
Die Geschichte von „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ – so wie sie von George Lucas und Jeff Nathanson erdacht und dann von David Koepp als Skript aufgeschrieben wurde – spielt in einer ganz andere Epoche als die ersten drei Filme und führt, was den Stil des vierten Indiana-Jones- Abenteuers betrifft, zu einigen unerwarteten – und auf kreativer Ebene äußerst willkommenen – Entscheidungen.
„Jäger des verlorenen Schatzes“ war untrennbar mit Spielbergs and Lucas’ Begeisterung für die Kinoserien der 30er-Jahre verbunden. Diese Abenteuerklassiker beeinflussten nachhaltig die Action, Abenteuer und Spannung der ersten drei Indiana-Jones-Filme. Aber 19 Jahre nach dem Handlungszeitraum des dritten Films ist auch im Entertainment eine neue Epoche angebrochen: Serien finden im Fernsehen statt, aber die Ideen dazu sind von der Leinwand durchaus nicht verschwunden. Mitte der 50er-Jahre traten Science-Fiction-Filme an ihre Stelle – sie kamen besonders beim jungen Publikum an, das sich für Action und Abenteuer begeisterte.
Obwohl oft mit sehr kleinem Budget gedreht, garantierten diese Filme Spannung pur, weil sie die sich rapide verändernde Welt der Wissenschaft und Technologie mit paranoiden Angstträumen anreicherte. Obwohl sich Auswirkungen des kalten Krieges deutlich in ihnen widerspiegelte, bleiben sie doch optimistisch, vor allem setzten sie unterschütterlich auf den Erfindungsgeist des Menschen, mit dem jeder Angriff aus dem Weltraum, aus den Tiefen des Meeres oder aus den den eigenen Reihen abwehren ließ. Der Geist dieser Filme prägt „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“.
„Es war mir wichtig, die Figuren ins Atomzeitalter zu katapultieren“, sagt Spielberg. „Unser Film spielt im Jahr 1957 – es steht ganz im Zeichen des kalten Krieges, des McCarthyismus, hochgetunter Autos, der Pferdeschwänze und Mädchen in engen Pullovern. Für mich bedeuten die 50er Musik, die Anfänge des Rock’n’Roll, Technicolor. Die 50er werden repräsentiert von den strahlenden jungen Gesichtern, die Norman Rockwell so gern gemalt hat.“
Executive Producer Kathleen Kennedy sieht dies genauso: „Die 50er waren eine interessante Zeit, weil es sich immer noch um eine Zeit der Unschuld handelte. Wir hatten gerade den Zweiten Weltkrieg hinter uns und waren neugierig auf das, was die Zukunft uns bringen würde”.
Diese Veränderungen bedeuteten auch, dass die Filmemacher eine andere Art von Bösewichtern ins Spiel bringen konnten. Spielberg erklärt: „Dadurch, dass die Geschichte 1957 spielt, landeten wir mitten im kalten Krieg – ein Atomkrieg droht, damals nannte man das in Amerika die Rote Gefahr. Dieses Thema bestimmte damals täglich die Schlagzeilen. Als wir also überlegten, wer die Bösewichter sein sollten, bekamen die Russen den Job.“
Trotz der veränderten Handlungszeit und Atmosphäre blieben etliche Aspekte der Serie durchaus unverändert.
„All die Traditionen von Indiana Jones nehmen wir wieder auf”, erklärt Spielberg. „Wir zeigen die Landkarte; wir zeigen das Flugzeug und die Fahrzeuge auf der kleinen roten Linie, die sich über die Weltkugel bewegt – eben den Stil, den wir vor vielen Jahren etabliert haben.“
Das Resultat ist ein Film für alte und neue Fans. „Wir alle haben dieses unglaubliche Gefühl, dass wir den ungeheuren Erwartungen an diesen Film entsprechen müssen“, sagt Produzent Frank Marshall. „Und wenn Leute mich fragen: ‚Wie ist der neue Film so?’, kann ich nur eines sagen: Wir machen einen Indiana-Jones-Film!“ |